Chile / Argentinien 2001/2002


"Des hamma so gebucht !"

Reisebericht

Mittwoch, 26.12.2001
10.00 Uhr, das Telefon klingelt. Ich schlafe noch, wache auf und wer ist es ? Woife steht am Flughafen und darf die Brennstoff-Flaschen für den Benzinkocher nicht mit dem Gepäck einchecken, obwohl er sie extra mit Wasser gefüllt hat. Aber sie riechen nach Benzin, es geht nach Amerika, wir fliegen United Airlines, höchste Sicherheitsvorkehrungen. OK, was nun, ohne Kocher können wir alles vergessen, woher bekommen wir in Chile oder Argentinien Brennstoff-Flaschen. Puls auf 180. Das Abenteuer hat begonnen. Auch für mich, wo ich doch erst morgen fliege ...
Donnerstag, 27.12.2001
Woife hatte die Brennstoff-Flaschen mit dem Handgepäck ins Flugzeug genommen. Keine Ahnung, warum das dann ging. Egal, jetzt waren es Impi und ich, die sich aufmachten, um 26 Stunden lang in die Economy Class gezwengt nach Santiago zu reisen. Kaum waren die 2h zwischen Check-In und Boarding abgesessen und der Security-Check mit Schuhkontrolle passiert, höre ich meinen Namen aus dem Lautsprechern erklingen und die freundliche aber bestimmte Aufforderung, mich doch am Gate zu melden. OK, was passiert jetzt, wer hat die Bombe in mein Gepäck? Der Security-Mann führt mich mit grimmiger Miene in den Keller und bittet mich, meinen Seesack, den ich mit so viel Mühe und maximaler Kompression des Inhalts gepackt hatte, komplett auszuleeren. Nein, dazu war ich nicht motiviert. Die Schokolade (10x Rittersport Mini), die ich platzsparend im Inneren des Schalenschuhs platziert habe, hat Alarm ausgelöst. Fehlalarm, aber damit war der Seesack noch nicht wieder gepackt. Aber mit Hilfe von 2 Securities war das schnell wieder erledigt, zum Leid aller Nahrungsmittel, die leicht bröseln. Das Knäckebrot taugte dannach jedenfalls nur noch als Müsli.
Freitag, 28.12.2001
4 Uhr morgens, ich sitze auf der richtigen Seite im Flugzeug, nämlich links. Die Sonne geht über den Anden auf - ein Wahnsinnsbild. Und es wird immer besser. Kurz vor Santiago passieren wir das gewaltige Massiv des Mercedario und dann schließlich erscheint er einsam und gewaltig am Horizont. Der Aconcagua - El tejado de América.

Wir landen und werden von unserem "Vorabkommando" Woife und Betty empfangen, die uns ortskundig zur Judendherberge lotsen und uns anschließend eine Stadtführung durch Santiago bieten. Sie sind ja auch schon einen Tag da und kennen zumindest schon mal das Zentrum.

Die Plaza de Armas ist noch weihnachtlich dekoriert, was auf uns extrem kitschig wirkt. Es ist Sommer in der Stadt und Woife und Betty haben Recht, wenn sie sagen, dass es heiss sei. 35 Grad im Schatten, 40 in der Sonne. Das zeigen zumindest die Thermometer an jeder Ecke an. Den Nachmittag verbringen wir mit Faulenzen im Park und mit der schweißtreibenden Besteigung des Cerro San Cristobal, einem der Hügel von Santiago, der immerhin 869m gen Himmel ragt.

Samstag, 29.12.2001
Habe ich doch gestern äußerste Vorsicht walten lassen, nichst zweifelhaftes zu essen oder zu trinken, so half das wohl nichts, denn in der Nacht hat mein Verdaungstrakt beschlossen zu rebellieren. Naja, besser jetzt als später. Zunächst müssen wir erstmal unser gesamtes Gepäck zum Busbahnhof schleppen. Der erste Schweißausbruch ist damit vorprogrammiert.

Aber die Busfahrt nach Mendoza ist kein Spass für mich. Ich bin so schwach, dass ich im Bus sitze wie ein Häufchen Elend. Aber dennoch freu ich mich, dass es nun in die Berge geht, hinauf auf gut 3000m Höhe zur Grenze nach Argentinien. Die dünne Luft beim Erledigen der aufwendigen Grenzformalitäten bei der Ausreise aus Chile macht mich fix und fertig. Ich warte nur darauf, links oder rechts aus der Warteschlange zu kippen. Aber irgendwie haben wir auch das überstanden. Chile haben wir verlassen und nun müssen wir "nur noch" nach Argentinien einreisen. Der Busschaffner nimmt einen Plastikbecher und geht von Passagier zu Passagier und bittet um Geld. Ein bisschen früh für ein Trinkgeld, denken wir. Aber das Geld landet bei den "Detectivos" am argentinischen Zoll. Wir waren wohl nicht spendabel genug, denn es hies "alles Gepäck ausladen" und der Zöllner durchsuchte Taschen und Koffer. Wir bekamen Angst um unser mitgebrachtes Essen, vor allem um die wertvollen Trekking-Mahlzeiten. Aber der Hinweis, dass wir Deutsche sind, reichte und uns blieb eine Kontrolle unserer Taschen erspart.

Die Weiterfahrt nach Mendoza ist dann wieder ein landschaftlicher Hochgenuss, auch wenn die Fahrt zunächst durch eine Gewitterfront geht. Berge in allen Farben zur linken und zur rechten und kupferhaltig rote Flüsse in den Tälern geleiteten uns dort hin.
In Mendoza lassen wir uns zum unserem reservierten Hotel fahren. Zum Glück gibt es gleich um die Ecke einen riesigen Supermarkt, wo wir für die nächsten Wochen einkaufen.
Nachts dann ein unglaublich lautes Gewitter, aber der Regen kühlt die Luft nicht wirklich ab, bringt aber unangenehme Schwüle mit sich. So schwitzten wir die ganze Nacht, weil zumindest Woife und ich zu blöd waren, den Ventilator zu entdecken und einzuschalten.

Sonntag, 30.12.2001
Die erste Erkenntnis des Morgens ist, dass wir eine Stunde zu früh aufgestanden sind, weil wir nicht mit der Sommerzeit in Chile gerechnet haben und damit, dass so in Chile und Argentinien die gleiche Zeit gilt. Wie mit Rudy, unserem Muli-Mann, vereinbart holt uns ein Bus ab und bringt uns erstmal zur Permit-Vergabestelle in Mendoza.

Der Bus ist deutlich überdimensioniert, aber das stört uns wenig. Wir reisen schließlich wie die Könige im 24-Sitzer zu viert nach Los Puquios, ca. 1 km ausserhalb von Puente del Inca auf 2700m. Hier wollen wir zwei Nächte verbringen, das Gepäck für die Mulis aufgeben und uns akklimatisieren.

Es ist immernoch sehr heiss, obwohl wir ja nun schon ein bißchen höher sind. Aber wir sind ja nun die ganze Zeit der Sonne ausgesetzt. Kühlend, aber bisweilen auch nervig ist der Wind, der auch ständig durch das Tal weht. Der Vorteil des Windes aber ist, dass alles sehr schnell trocknet - so auch das Brot, das wir für Basislager trocknen wollen.

Der Abendspaziergang führt uns zum Cementerio del los Andistas. Hier liegen aber nicht nur am Aconcagua verunglückte. Weiter gehts nach Puente del Inca, wo es eine natürliche Brücke über den Rio de las Cuevas und heisse Quellen zu bestaunen gibt. In letztere wollen wir uns aber erst morgen wagen.

Montag, 31.12.2001
Es ist Silvester. Und es ist Sommer. Was für ein ungewöhntes Gefühl für mich. Nach einem gemütlichen Frühstück wollen wir ein Aussichtsbergerl erklimmen.

Die Banderita Sur mit 3430m liegt südlich von Puente del Inca. Mit entspanntem Schritt spazieren wir, Woife und ich mit den plumpen Schalenschuhen, nach oben. Die Hitze und der Wind martern uns, aber der Blick auf den Aconcagua ist atemberaubend und löst ständig den Drang aus, ein Foto zu machen.

Nach dem Abstieg gibts es dann das geplante Bad in den warmen Thermalquellen - reinigend und erfrischend zugleich. Danach einen Hamburger bei Mario's Aconcagua Snackbar.

Dann ist der Tag für mich gelaufen. Zum erste Mal meldet sich der Kopf mit Höhenkopfweh. Den Silvesterabend verbringe ich so im Zelt. Die anderen drei gehen zum Essen. Schließlich machen wir noch kurz einen Picolo auf, zünden Wunderkerzen an und denken an unsere - bestimmt betrunkenen - Freunde daheim ...

Dienstag 1.1.2002
Zelte abbauen, Rucksack packen und auf gehts. 96 kg tragen die Mulis für uns ins Basislager. Den Rest, immernoch mehr als 20 kg für jeden, müssen wir wohl selber schleppen. Mario fährt uns mit seinem Baujahr '84 VW-Bus mit nagelneuem Motor zum Eingang des Parque Nacional del Aconcagua.

Hier werden unsere Permits konrolliert und es geht bei sengender Hitze auf 6 km, vorbei an der Laguna de Horcones, hinauf ins erste Lager.

Confluencia liegt auf 3320m und wir erreichen es nach guten 5 Stunden mit Pausen. Es ist mal wieder sehr windig und die stärkste Böe gibt's natürlich dann, wenn wir unsere Zelt aufstellen wollen. Aber die "Bunker" stehen schließlich und wir befolgen brav die Regeln der Höhenanpassung. Unsere Abendbeschäftigung ist folglich: Trinken, pinkeln, trinken, pinkeln, trinken, pinkeln ...

Mittwoch, 2.1.2002
Früh brechen wir auf. Wir wollen nicht ganz bis zum Basislager gehen, wie es die meisten handhaben, sondern noch einen Zwischenstopp zur besseren Akklimatisierung einlegen. Dennoch liegt der Großteil der 22km langen Etappe heute vor uns. Durch die Vale de Horcones führt der Weg. Immer wieder muss der Fluss überquert werden. Nein, es gibt keine Brücke, aber das Wasser steht nicht so hoch und irgendwie gehts immer von Stein zu Stein. Irgendwann sehen wir dann die Mulis mit unserem Gepäck fürs Basislager an uns vorbei ziehen.

Mit konstant leichter Steigung geht es immer tiefer in das Tal, bis man an der Südwand des Aconcagua vorbeikommt und das Bergmassiv von da ab umrundet.

Nach ca. 20km Wegstrecke auf 3870m Höhe an einem leider sehr sedimenthaltigen (dreckigen) Bächlein schlagen wir das Lager auf. Wir freuen uns, dass es erst 15h ist und wir noch Zeit haben für die Körperpflege, als wir von den ersten Graupelschauern überrascht werden. Es wird ungemütlich kalt und wir kochen uns erst mal eine Suppe zum Aufwärmen. Früh gehen wir ins Bett, weil man bei dem Sauwetter draußen eh nichts verpassen kann.


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