Ausrüstung

Kurzfelle

Kurzfelle - was ist denn das wird der eine oder andere mit gerümpfter Nase sagen! Doch wenn es über weitere Distanzen mehr flach als bergig dahingeht - wie zum Beispiel in Skandinavien - sind Kurzfelle ein guter Kompromiss zum Schuppenski!
Zum ersten Mal befasst habe ich mich mit der Thematik bei der Vorbereitung einer Nord-Süd Winterdurchquerung der Hardangervidda in Norwegen (das Gesamtevent ist bei www.sirdar.de beschrieben). Welche Skier nimmt man? Geht das mit Tourenskiern, oder braucht man Spezialskier? Spezialskier kosten aber mit Schuhen so um die 400 €, was mir für den voraussichtlich einmaligen Spaß deutlich zu teuer war. Also was tun? Doch normale Tourenskier?
Klar war mir von diversen Flachstücken in den Alpen, dass Skitourenstiefel gar nicht gehen - also hier die guten alten Schalenbergschuh rausgeholt! Diese passten aber dummerweise nicht in meine normale Fritschi Diamir Bindung. Also musste auch hier was anderes her. Ich hab mir dann für 90 € gebrauchte Skitourenskier mit einer Silvretta 404 Bindung besorgt, in die dann die Schuhe prima reingepasst haben. Doch die Frage der Felle war immer noch ungelöst!
Die Skandinavier verwenden entweder glatte mit Steigwachs versehene Skier, spezielle Schuppenskier, die breiter sind und Stahlkanten haben, oder Spezialskier, bei denen man ein Kurzfell unter der Steigzone befestigen kann. Die Lösung mit den Kurzfellen schien mir praktikabel und nachbaubar. Zwar nicht in der Perfektion wie das käufliche Exemplar (siehe hier bei Åsnes), dafür aber deutlich billiger.
Die folgenden Bilder zeigen das Ergebnis meiner Anstrengungen. Die Lösung ist für jeden der einen Schraubstock, eine Ständerbohrmaschine, eine Feile und ein bisschen handwerkliches Geschick hat gut nachbaubar und hat sich in Norwegen super bewährt!

Bild 1: Die gesamten Felle unter der Steigzone
Bild 1: Die gesamten Felle unter der Steigzone
Bild 2: Die Befestigungsplatte
Bild 2: Die Befestigungsplatte
Bild 3: Die Befestigungsplatte von vorne
Bild 3: Die Befestigungsplatte von vorne
Bild 4: Der Ski von oben mit Flügelmutter
Bild 4: Der Ski von oben mit Flügelmutter

Im folgenden nun die detaillierte Bauanleitung:

1. Man nehme ein Paar alte Felle (es gibt auch Meterware zu kaufen), die die Länge der ausgewählten Skier haben und halbiere sie. Dummerweise braucht man bei taillierten Fellen beide Felle, da ansonsten die eine Hälfte des Fells den Strich in die falsche Richtung hat, was ausgesprochen unpraktisch wäre! Die Felle sollten am Ende nicht bis zur Kante stehen und die Ecken sollten hinten abgerundet werden (siehe Bild 1). Da wo später die Metallplatte befestigt wird mit einem Teppichmesser auf etwa 2cm die Haare entfernen. Die Felle wenn nötig mit neuem Fellkleber versehen. Auf der Klebefläche der Felle unter der Platte sollte sich kein Kleber befinden, da sonst die Felle schwer zu entfernen sind.
2. Man nehme ein 1mm dickes Stahlblech und säge eine Form gemäß Bild 2 aus. Anschließend die Kanten des Blechs rundfeilen und den forderen Teil im Schraubstock leicht biegen, so dass sich kein Spalt zwischen Ski und Platte befindet, wenn das Fell am hinteren Ende der Platte zwischen Platte und Ski liegt.
3. Als nächstes die Felle aufkleben, Platte anhalten und das Loch durch Platte, Ski und Fell bohren. Bei einer 5mm Schraube erst einmal mit einem 4mm vorbohren! Danach das Loch im Ski mit einem 5mm Bohrer (oder auch 5.5mm Bohrer) auf seine endgültige Größe aufbohren.
4. Mit einer 5mm Senkkopfschlitzschraube ein Gewinde in das Loch der Platte schneiden. Damit sollte die Schraube später nicht mehr herausfallen. Danach das Loch der Platte soweit mit einem größeren Bohrer ansenken, bis der Kopf der Schraube gut im Blech versunken ist. Anschließend den Kopf der Schraube solange mit der Feile abfeilen, bis sich eine glatte Oberfläche ergibt (siehe Bild 2 und 3).
5. Mit Sekundenkleber die Felle an die Platte kleben, die Felle aufkleben, die zugefeilte Schraube durchstecken und auf der Skioberseite eine Flügelmutter draufschrauben (siehe Bild 4). Abschließend die Platte und die Felle wenn nötig wachsen!

Viel Spaß beim Nachbauen! Bei Fragen einfach ein Email ...




© Wolfgang Dressel 2010